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Jungfernfahrt Tag 2: Von Bayern nach Böhmen (noch mehr Knödel!)
Die erste Nacht im Camper, nun ja. Es war vermutlich nicht die beste aller Ideen, ausgerechnet im November zum ersten Mal im Auto zu übernachten, aber da mussten wir jetzt durch.
Lektion 1: Zumindest im Winter reichen eine Decke, auch in Übergröße) und zwei Schlafsäcke nicht aus.
Lektion 2: Es müssen dringend bessere Kissen her.
Ansonsten aber gab es keine Klagen. Während Peter es sich unten schon ein bisschen gemütlich machte, streckte ich mich oben aus und genoss den Komfort einer Decke GANZ FÜR MICH ALLEINE. Gefrühstückt wurde noch nicht im Bus, dafür machte ich mich noch schnell auf den Weg zur Therme, um dort die Gebühren für die Übernachtung zu entrichten und dann ging es auch schon weiter nach Regensburg.
Nach einem Frühstück etwas außerhalb in einem kleinen Café, fanden wir einen Parkplatz direkt an der Donau und machten uns auf in die Stadt. Dort wurden wir sofort von einem Notenladen aufgehalten, der Komplettausverkauf hatte und dementsprechende Prozente auf sämtliche Ware. Die verbliebene verkürzte vom Parkticket limitierte Aufenthaltszeit musste noch sinnvoll genutzt werden, um einen Badeanzug zu kaufen und im dortigen „Nature et Découvertes“ zu stöbern.
Von Regensburg ging es dann in Richtung tschechische Grenze, wo sich sofort die Frage „Autobahn, ja oder nein?“ stellte. In Tschechien sind die Autobahnen gebührenpflichtig, entsprechende Vignetten gibt es direkt hinter der Grenze, allerdings nur in bar, dafür aber zu einem vermutlich nicht ganz optimalen Wechselkurs auch gegen Euro. Mit aufgeklebter Vignette dann also weiter Richtung Marienbad.
Dieser Teil der Reise war meine Idee. Die Hälfte meiner familiären Wurzeln kommt aus dieser Ecke, die Familie meiner Oma mütterlicherseits aus Petschau, dem heutigen Bečov nad Teplou und die Familie meines Opas väterlicherseits aus Sangerberg, dem heutigen Prameny. Das letzte Mal war ich vermutlich so vor 25 Jahren in Tschechien, oder vielmehr in der damaligen Tschechoslowakei. Vor allem aber: Auch Tschechien ist Knödelland!
Unser erster Halt war Marienbad, die kleine Kurstadt. Ziemlich sicher war ich hier schon mal, hatte aber so gut wie keine Erinnerung mehr daran. Wir fuhren die Hauptstraße ins Zentrum, mussten aber mangels tschechischem Bargeld auf den Parkplatz an der Straße verzichten und ins Parkhaus fahren. Von dort aus steuerten wir direkt den nächsten Geldautomaten an, um auch im Nicht-Euro-Ausland zahlungsfähig zu sein, und von da aus direkt das nächste Restaurant, in dem wir das Thema der Tour (zur Erinnerung: „Knödel“) wieder aufgriffen. Am Nebentisch unterhielten sich zwei alte Damen bei Kuchen und Torte auf Deutsch, und auch sonst war die Nähe zu Deutschland deutlich spürbar, ein bisschen so wie in den Niederlanden, nur mit Knödeln statt Frikandeln und na ja, also eigentlich komplett anders.
Nach der Stärkung schlenderten wir die Hauptstraßen einmal runter und wieder rauf, vor bei an den großen, goldverzierten Hotels mit den mondänen Namen („Grandhotel Pazifik“, „Hotel Bohemia“, „Hotel Excelsior“) und den kleinen Nippesläden. Zielsicher steuerte ich den Süßwarenladen an, um – wie sich im Nachhinein herausstellen sollte – viel zu wenige Pakete Marienbader Oblaten zu erwerben.
Zurück ging es durch den Park, vorbei an kleinen Teichen und Verkaufsständen und dann wieder hoch zum Parkhaus, schließlich wollten wir noch weiter nach Karlsbad. Aufgrund der unklaren Campingverhältnisse und unserer mangelnden Bereitschaft, uns Anfang November in Tschechien mit den hiesigen Regulatorien bezüglich Camperübernachtungen rumzuschlagen, hatten wir sicherheitshalber ein Hotelzimmer in der Karlsbader Altstadt gebucht. Auch ein Parkhaus hatte ich ausfindig gemacht, von dem aus es nur lächerliche 300 Meter bis zum Hotel sein sollten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht so viel über die geographische Beschaffenheit der Karlsbader Altstadt, aber dazu kommen wir später noch.
Das Navi führte uns entgegen der Vorschläge der Wegweiser in eine komplett andere Richtung und zwar in den Wald. Gefühlte Stunden (in Wahrheit vermutlich etwa eine halbe Stunde) fuhren wir auf einer immerhin gut ausgebauten Straße einfach nur durch Wald und zum ersten Mal im Leben hatte ich ernsthaft Sorge vor Wildwechsel, denn nie schien mir die Wahrscheinlichkeit höher als in diesem Wald, schon allein, weil dann tatsächlich einfach ein Reh direkt neben der Straße im Wald äste. Die Googlerecherche ergibt, dass wir durch den Slavkovský les fuhren, den Kaiserwald, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wir sahen Kilometer um Kilometer nur Wald. Angemessen groß war der Jubel beim Passieren des nächsten Ortsschilds. ZIVILISATION! WIR SIND DOCH NICHT VERLOREN! DER WALD WIRD EIN ENDE HABEN! Dann wieder nur Felder und Wald und Abhänge, drei äsende Rehe auf einer Weide und eine Herde Kühe auf einer anderen.

Am Ende war das vielleicht auch die schönste und aufregendste Strecke, obwohl ja gar nichts passierte außer den Rehen. Außerdem führte uns die Route dann doch durch Petschau und – wie sich ebenfalls im Nachhinein rausstellte – sogar am Haus der Cousine meiner Oma vorbei.
Jungfernfahrt Tag 1: Vom Bodensee nach Bayern
Mit ein bisschen Verzögerung aufgrund einer etwas ungünstigen Urlaubssituation startete die Jungfernfahrt von Berthold Bulliver. Mit an Bord die zu erwartende Besatzung, Peter in seiner Funktion als Lenker, Impulsideenhaber und Stimme der Vernunft und Anne in ihrer Funktion als Routenplanerin, Impulsideeneinbauer und Animateurin.
Kommen wir gleich auf die Probleme rund um den Bodensee zu sprechen: Alles rund um den Boden ist wunderschön und eine verkehrstechnische Katastrophe. Selbst mit dem auf die Fahne geschriebenen Motto „Der Weg ist das Ziel“, mit dem wir Richtung Allgäu aufbrachen, waren wir nach einer halben Stunde Rumkurverei durch gefühlt alle Bodenseedörfer und Städte genervt und wollten bitte, bitte wieder auf eine Autobahn oder zumindest eine vernünftige Bundesstraße.

Unser Ziel war der Sylvensteinspeicher südlich von Bad Tölz, direkt an der österreichischen Grenze und das nur, weil Peter in irgendeiner Fernsehdoku am Tag zuvor Bilder von diesem See gesehen hat. „Guck mal, da können wir morgen auch hinfahren“, hieß es, also fuhren wir quer durchs Allgäu ins tiefste Bayern. Nun muss man dazu wissen, dass wir ungefähr nichts über Bayern wissen und vor allem nicht, wie dieses Bayern intern funktioniert. Eventuell fuhren wir also gar nicht ins tiefste Bayern, sondern einfach in eine Ecke von Bayern, was wissen wir schon, wie sich „tiefstes Bayern“ definiert. Für eine Rheinländerin und einen Niederrheiner ist eben eigentlich alles tiefstes Bayern, was nicht irgendwo an einer Bundeslandgrenze ist, sogar Franken.
Oft ist es ja so, dass man sich Dinge ganz anders vorstellt, als sie dann tatsächlich sind. Das Allgäu, so merkte ich während der Fahrt mehrfach an, sieht hingegen exakt genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe. wir fuhren über grüne Hügel, irgendwo in der Ferne schimmerten schneebedeckte Alpengipfel und auf den Wiesen grasende Kühe und chillende Katzen.

So tuckerten wir immer weiter Richtung schneebedeckter Gipfel und fanden alles ziemlich gut und entspannt. In Bad Tölz parkten wir an der Touristeninformation und peilten das Reutbergstüberl an, um den mittlerweile doch nicht mehr zu ignorierenden Hunger zu stillen. Und auch wieder: Alles, wirklich alles war genau so, wie wir es uns vorgestellt haben, im besten aller Sinne. Der Gastraum war eine Ode an das Material Holz, am letzten Tisch ein einsamer, dem Wirt offenbar bekannter Gast mit einem Glas Bier in dem Händen. Wir bestellten bestes bayerisches Essen und leiteten damit auch ein bisschen das kulinarisch Thema der nächsten Tage ein: Fleisch und Knödel. Oder besser: Knödel und Fleisch.


Nach Bier, Knödel, Fleisch und gefülltem Pfannkuchen ging es noch zur Strudelkonditorei. Kirschstrudel, Apfelstrudel, Topfenstrudel, Nussstrudel, Zwetschgenstrudel, alles, was das Herz begehrt. Die Frau vor uns ergatterte die letzten Aprikosenknödel, also entschieden wir uns nur für zwei große Stücke Strudel, die Berthold in seiner Kühlbox sicher für uns aufbewahren würde. Ich verzichtete zudem aus Gründen auf eine feministische Grundsatzdiskussion mit dem Strudelbäcker.

Von Bad Tölz fuhren wir dann noch ein kurzes Stück nach Süden bis zum Ziel: In Fall hielten wir auf einem Parkplatz und suchten den Weg durch den Wald zum See. Über den See spannte sich eine große Autobrücke, im See spiegelten sich die Berge und die wenigen Boote, die in Ufernähe herumtrieben.


Ja, okay, zugegeben, so ein riesiger See vor Bergkulisse ist schon schön. Zum ersten Mal begriff ich so wirklich die Faszination, die von Bergen ausgeht, das Gefühl des „Ich muss da rauf“, wenn man einen Berggipfel sieht, wenn die einzig nötige Antwort auf die Frage „Aber warum denn?“ „Weil es da ist!“ Berge, so wurde mir klar, sind dafür da, um auf sie drauf zu klettern. Möglicherweise ist es also gar nicht so schlecht, dass wir ansonsten in einer weitgehend bergfreien Region leben, sonst wären wir nur damit beschäftigt, irgendwo hoch zu klettern, einfach, weil es geht. In der Ferne sahen wir eine besonders imposante Bergspitze glimmen und mäßiges Bayern-Know-How hin und her, das könnte eventuell die Zugspitze sein, überlegten wir. Google Maps gab uns recht, der Pfeil auf dem Smartphone zeigte eindeutig Richtung Zugspitze.

Nach einem Spaziergang rund um den See entschieden wir uns dann aber doch dafür, weiterzufahren. Unser nächstes Ziel war Regensburg oder vielmehr kurz vor Regensburg, wo wir übernachten wollten, um am nächsten Tag weiter Richtung Tschechien zu fahren. Als wir zu später, aber dann noch nicht so wirklich später Stunde in Bad Abbach ankamen, fanden wir eine tote Stadt vor, immerhin erklärte sich ein netter Mensch in einem indisch-italienischen Restaurant mit dem passenden Namen Bella Taj noch bereit, uns Essen zu bringen. Endgültig satt lenkten wir Berthold Bulliver auf den Wohnmobilstellplatz neben der Bad Abbacher Therme, stellten fest, dass das Stromkabel zwar reichte, aber doch etwas kurz sein könnte, stellten das Dach auf und machten es uns für unsere erste richtige Nacht als Wohnmobilcamper gemütlich.
Wir können empfehlen:
Das Reutbergstüberl (Schützenstraße 5, 83646 Bad Tölz) für bodenständige bayerische Küche mit viel Knödeln und Fleisch, gutem Bier und enorm freundlichen Service.
Die Konditorei gegenüber der Touristeninformation in Bad Tölz (vermutlich auch Schützenstraße) für die riesige Strudelauswahl OBWOHL ICH NICHT ZUSTIMME, DASS MÄNNER DIE BESSEREN BÄCKER UND KÖCHE SIND!
Das Bella Taj (Am Markt 20, 93077 Bad Abbach) für Aufnahme in großer Not und den recht üppigen Portionen indischer Gerichte.
Den Wohnmobilstellplatz an der Kaiser-Therme in Bad Abbach (Kurallee 4, 93077 Bad Abbach) mit Stromversorgung und der (von uns nicht genutzten) Möglichkeit, morgens die Duschen und Toiletten der Therme zu nutzen, die 12 Euro pro Übernachtung + 1,80 Euro Kurtaxe pro Person können einfach in der Therme bezahlt werden, man kommt aber auch außerhalb der Öffnungszeiten auf den Platz.
Route, Tag 1: Radolfzell, einmal quer durchs Allgäu, Bad Tölz, Sylvensteinspeicher, Bad Abbach, ungefähr 480 km laut Google Maps.





