Month: März 2018
Jungfernfahrt Tag 2: Von Bayern nach Böhmen (noch mehr Knödel!)
Die erste Nacht im Camper, nun ja. Es war vermutlich nicht die beste aller Ideen, ausgerechnet im November zum ersten Mal im Auto zu übernachten, aber da mussten wir jetzt durch.
Lektion 1: Zumindest im Winter reichen eine Decke, auch in Übergröße) und zwei Schlafsäcke nicht aus.
Lektion 2: Es müssen dringend bessere Kissen her.
Ansonsten aber gab es keine Klagen. Während Peter es sich unten schon ein bisschen gemütlich machte, streckte ich mich oben aus und genoss den Komfort einer Decke GANZ FÜR MICH ALLEINE. Gefrühstückt wurde noch nicht im Bus, dafür machte ich mich noch schnell auf den Weg zur Therme, um dort die Gebühren für die Übernachtung zu entrichten und dann ging es auch schon weiter nach Regensburg.
Nach einem Frühstück etwas außerhalb in einem kleinen Café, fanden wir einen Parkplatz direkt an der Donau und machten uns auf in die Stadt. Dort wurden wir sofort von einem Notenladen aufgehalten, der Komplettausverkauf hatte und dementsprechende Prozente auf sämtliche Ware. Die verbliebene verkürzte vom Parkticket limitierte Aufenthaltszeit musste noch sinnvoll genutzt werden, um einen Badeanzug zu kaufen und im dortigen „Nature et Découvertes“ zu stöbern.
Von Regensburg ging es dann in Richtung tschechische Grenze, wo sich sofort die Frage „Autobahn, ja oder nein?“ stellte. In Tschechien sind die Autobahnen gebührenpflichtig, entsprechende Vignetten gibt es direkt hinter der Grenze, allerdings nur in bar, dafür aber zu einem vermutlich nicht ganz optimalen Wechselkurs auch gegen Euro. Mit aufgeklebter Vignette dann also weiter Richtung Marienbad.
Dieser Teil der Reise war meine Idee. Die Hälfte meiner familiären Wurzeln kommt aus dieser Ecke, die Familie meiner Oma mütterlicherseits aus Petschau, dem heutigen Bečov nad Teplou und die Familie meines Opas väterlicherseits aus Sangerberg, dem heutigen Prameny. Das letzte Mal war ich vermutlich so vor 25 Jahren in Tschechien, oder vielmehr in der damaligen Tschechoslowakei. Vor allem aber: Auch Tschechien ist Knödelland!
Unser erster Halt war Marienbad, die kleine Kurstadt. Ziemlich sicher war ich hier schon mal, hatte aber so gut wie keine Erinnerung mehr daran. Wir fuhren die Hauptstraße ins Zentrum, mussten aber mangels tschechischem Bargeld auf den Parkplatz an der Straße verzichten und ins Parkhaus fahren. Von dort aus steuerten wir direkt den nächsten Geldautomaten an, um auch im Nicht-Euro-Ausland zahlungsfähig zu sein, und von da aus direkt das nächste Restaurant, in dem wir das Thema der Tour (zur Erinnerung: „Knödel“) wieder aufgriffen. Am Nebentisch unterhielten sich zwei alte Damen bei Kuchen und Torte auf Deutsch, und auch sonst war die Nähe zu Deutschland deutlich spürbar, ein bisschen so wie in den Niederlanden, nur mit Knödeln statt Frikandeln und na ja, also eigentlich komplett anders.
Nach der Stärkung schlenderten wir die Hauptstraßen einmal runter und wieder rauf, vor bei an den großen, goldverzierten Hotels mit den mondänen Namen („Grandhotel Pazifik“, „Hotel Bohemia“, „Hotel Excelsior“) und den kleinen Nippesläden. Zielsicher steuerte ich den Süßwarenladen an, um – wie sich im Nachhinein herausstellen sollte – viel zu wenige Pakete Marienbader Oblaten zu erwerben.
Zurück ging es durch den Park, vorbei an kleinen Teichen und Verkaufsständen und dann wieder hoch zum Parkhaus, schließlich wollten wir noch weiter nach Karlsbad. Aufgrund der unklaren Campingverhältnisse und unserer mangelnden Bereitschaft, uns Anfang November in Tschechien mit den hiesigen Regulatorien bezüglich Camperübernachtungen rumzuschlagen, hatten wir sicherheitshalber ein Hotelzimmer in der Karlsbader Altstadt gebucht. Auch ein Parkhaus hatte ich ausfindig gemacht, von dem aus es nur lächerliche 300 Meter bis zum Hotel sein sollten. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir noch nicht so viel über die geographische Beschaffenheit der Karlsbader Altstadt, aber dazu kommen wir später noch.
Das Navi führte uns entgegen der Vorschläge der Wegweiser in eine komplett andere Richtung und zwar in den Wald. Gefühlte Stunden (in Wahrheit vermutlich etwa eine halbe Stunde) fuhren wir auf einer immerhin gut ausgebauten Straße einfach nur durch Wald und zum ersten Mal im Leben hatte ich ernsthaft Sorge vor Wildwechsel, denn nie schien mir die Wahrscheinlichkeit höher als in diesem Wald, schon allein, weil dann tatsächlich einfach ein Reh direkt neben der Straße im Wald äste. Die Googlerecherche ergibt, dass wir durch den Slavkovský les fuhren, den Kaiserwald, aber das wussten wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, wir sahen Kilometer um Kilometer nur Wald. Angemessen groß war der Jubel beim Passieren des nächsten Ortsschilds. ZIVILISATION! WIR SIND DOCH NICHT VERLOREN! DER WALD WIRD EIN ENDE HABEN! Dann wieder nur Felder und Wald und Abhänge, drei äsende Rehe auf einer Weide und eine Herde Kühe auf einer anderen.

Am Ende war das vielleicht auch die schönste und aufregendste Strecke, obwohl ja gar nichts passierte außer den Rehen. Außerdem führte uns die Route dann doch durch Petschau und – wie sich ebenfalls im Nachhinein rausstellte – sogar am Haus der Cousine meiner Oma vorbei.



